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  Kosmetika: Die aktuellen Themen  
   
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Mai 2011

Palmöl, nein danke? Ja!
Aber nicht zu Lasten der Bio-Bauern


© charles taylor - Fotolia.comDass für Palmöl die letzten Regenwälder abgeholzt werden, ist ein Verbrechen und eine Katastrophe. Wer ist verantwortlich für ein Geschehen, das dramatische Konsequenzen für das globale Klima und für seltene Tierarten wie den Orang-Utan hat?

 

2007 prangerte Greenpeace in dem Report Cooking the Climate erstmals an, dass der Palmöl-Boom verantwortlich dafür ist, dass in großem Stil Urwald zerstört wird, um Platz zu schaffen für gewinnträchtige Palmen-Plantagen. Das Abholzen geht weiter, allen bisherigen Aktivitäten und Protesten zum Trotz.

 

Die Nachfrage nach Palmöl steigt und steigt

Seit 1990 hat sich die Anbaufläche für Ölpalmen auf zwölf Millionen Hektar verdoppelt, in den nächsten 20 Jahren wird sie sich nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO noch einmal verdoppeln.

• Mit um die 30 Millionen Tonnen pro Jahr ist das Öl aus den Früchten der Ölpalme inzwischen das wichtigste Pflanzenöl der Welt.

Ist Bio-Palmöl in Bio-Kosmetik verantwortlich für die boomende Nachfrage nach Palmöl? Nein. Wenn etwa 20% des weltweit erzeugten Palmöls in Waschmitteln und in Kosmetik eingesetzt werden, entfällt auf Bio-Palmöl in Natur- und Bio-Kosmetik gerade einmal ein Bruchteil dieser Menge. Die rasant steigende Nachfrage nach Palmöl hat andere Ursachen.

 

Seit 2008 gibt es zertifiziertes Palmöl

Was tun? Um dem Raubbau an der Natur einen Riegel vorzuschieben, haben sich eine Reihe von Organisationen und Unternehmen zu einer Initiative zusammengeschlossen, die sich dafür einsetzt, nur noch fair und biologisch angebautes Palmöl – zertifiziertes Palmöl – in den Handel zu bringen. Zertifiziertes Palmöl ist seit November 2008 auf dem Markt.

  • Zertifiziert wird es vom so genannten Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Dieser Zusammenschluss von Umweltorganisationen und Palmölindustrie hat Umwelt- und Sozialstandards erarbeitet, die für nachhaltiges Palmöl mindestens erreicht werden müssen. Gründungsmitglied der RSPO ist auch der WWF (World Wild Fund for Nature). Die bislang festgeschriebenen Standards reichen aber noch nicht aus. Sie müssen weiter verschärft werden.
  • Wer setzt zertifiziertes Palmöl ein, wer nicht? Der WWF hat 2009 erstmalig die Einkaufspolitik der bekanntesten Hersteller und Händler in Europa in Bezug auf Palmöl untersucht. Die Ergebnisse finden Sie unter:
    www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/WWF_Palmoel_Scorecards.pdf
    Die Befragung zeigt: Es gibt solche und solche. Zu den Guten der Großen, die befragt wurden, gehören im Kosmetikbereich The Body Shop und L’Oréal. Gute gibt es aber auch unter denen, die bislang nicht befragt wurden.
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  Die Ölpalme (Elaeis Guineensis)  
 
Die Ölpalme (Elaeis Guineensis)
© Thomas Leonhardy - Fotolia.com

Die Ölpalme Elaeis Guineensis war ursprünglich in Westafrika zu Hause und wurde u. a. als Nahrungsmittel genutzt. Mit dem kommerziellen Anbau auf Plantagen wurde erst Anfang des letzten Jahrhunderts begonnen. Nach Indonesien gelangten die ersten Ölpalmen Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Holländer. Heute ist Elaeis Guineensis die weltweit ertragreichste Ölpflanze. Gewonnen wird das Öl aus dem Fruchtfleisch und aus den Samen.

 
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Ein genereller Boykott von Palmöl ist der falsche Ansatz

Was können Verbraucher tun, um zu verhindern, dass noch mehr Regenwald dem Palmöl-Boom zum Opfer fällt? Ein genereller Boykott ist auch nach Ansicht des WWF der falsche Ansatz. Er gefährdet das Einkommen vieler Menschen in den Anbauländern. Und die haben ihr Einkommen bitter, bitter nötig.

  • Ein genereller Boykott würde auch viele engagierte Bio-Bauern bestrafen, die bereits seit Jahrzehnten Palmöl so herstellen, wie es hergestellt werden sollte: sozial- und umweltverträglich. Zahlreiche Palmöllieferanten arbeiten seit Jahrzehnten als Bio-Betriebe und ihre Flächen wurden schon vor dem Anbau von Palmen landwirtschaftlich genutzt.
  • Nicht jeder Bio-Bauer ist ein „Gutmensch“, wenden Kritiker ein. In zahlreichen Ländern ist es kein Problem, sich Zertifikate zu kaufen. Dennoch: Haben wir das Recht, frage ich mich, weltweit jeden Bio-Bauern unter Generalverdacht zu stellen? Haben wir das Recht, seine Produkte zu boykottieren und ihn zu ruinieren? Hinter jedem Falschen, den es trifft, steht vermutlich das Schicksal einer ganzen Familie, vielleicht sogar einer ganzen Region. Und das gerade in den ärmsten Ländern der Welt.

Um die Bio-Bauern zu schützen, sind die Kosmetik-Hersteller gefordert

Die klassischen Hersteller von Natur- und Bio-Kosmetik sind seit Jahrzehnten auf Nachhaltigkeit „programmiert“. Kosmetik-Hersteller, die Bio-Palmöl einsetzten, müssen sicherstellen, dass das von ihnen eingesetzte Öl nach bestmöglichen ökologischen und sozialen Standards hergestellt wurde.

  • Auf Bio-Palmöl, das sozial- und umweltverträglich hergestellt wird, zu verzichten, ist kein Beitrag zur Lösung des Problems. Das eigentliche Problem ist die grassierende Gier nach preiswerten Agrar-Rohstoffen für alle möglichen Zwecke, vor allem zur Energiegewinnung.

Wofür verwenden wir landwirtschaftliche Produkte/Nahrungsmittel?

© licht1111 - Fotolia.comDie Zeiten, als landwirtschaftliche Produkte wie Palmöl, Mais oder Weizen vor allem Lebensmittel waren, sind vorbei. Auch Palmöl hat die westliche Welt inzwischen als Energiequelle entdeckt.

  • Was richtet eine Politik an, die mehr und mehr Nahrungsmittelpflanzen zu Energiepflanzen macht? Die dafür sorgt, dass sich zum Beispiel bei Mais oder Weizen die Frage stellt „Autotank oder Teller“? „Für eine einzige Tankfüllung des Benzins E10“, hat das deutsche Magazin Spiegel ausgerechnet, „wird so viel Weizen benötigt, wie ein Erwachsener in einem ganzen Monat essen kann.“
  • Das neue Agro-Geschäft bietet enorme Renditen und treibt die Nachfrage nach Agrar-Rohstoffen massiv an. So hat der WWF zum Beispiel ausgerechnet, dass die durchschnittliche Hektarprämie (Subvention) für Bauern in Deutschland bei 340 € liegt. Baut der Bauer Biospritpflanzen an und verarbeitet sie zu Biogas und Strom, kann er bis zu 3000 € pro Hektar erzielen. Dass die energiefressenden Länder dieser Welt die ökologischen Probleme, die sie zu verantworten haben, durch nachwachsende Rohstoffe lösen wollen, wird zu Katastrophen führen. Weltweit. Für Mensch und Natur.

Es gibt viel, dass wir tun könnten

Dass der großflächige Anbau von Mais und Weizen anderes verdrängt, zum Beispiel in manchen Gegenden Europas schon jetzt den Anbau von Kartoffeln, ist nur eines dieser Probleme. Für alle zeichnen sich schon jetzt immer höhere Nahrungsmittelpreise ab. Für die Ärmsten der Welt bedeuten die steigenden Preise Hunger und Tod.
Sich dem entgegenzustellen, sollte gerade für den reichen Teil der Welt eine vorrangige Aufgabe sein. Was tun?

  • Es gibt viel, das wir, die Menschen in den reichen Teilen der Welt, tun könnten, um die Welt insgesamt grüner und fairer zu machen.
    Es wird uns aber mehr abverlangen, als Kekse mit Palmöl zu boykottieren. Würden Mais, Weizen oder Palmöl weder im Tank eines Autos landen noch zur Energiegewinnung genutzt, wäre viel für die Welt gewonnen. Und wir müssten bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen. Zum Beispiel: Autos mit anderem Antrieb, viel weniger Auto fahren, Tempolimit, rigoros Energie sparen, weg vom verschwenderischen Konsum – vom immer mehr und immer billiger – und hin zu „weniger ist mehr“. Wäre ein anderes Leben ein schlechteres Leben? Meine Antwort: nein.




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