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  Kosmetika: Die aktuellen Themen  
   
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Wird zu Recht gewarnt – zum Beispiel vor Linalool?

Welche Warnung ist berechtigt, welche nicht? Warum geriet Linalool unter Veracht und was ist wirklich dran an der Warnungen vor Linalool?

  • Seit 2009 ist eine schwedische Studie der Anlass für Warnungen vor dem allergischen Potential von Linalool. Wenn eine wissenschaftliche Studien zur Aufklärung beiträgt, ist sie immer ein Gewinn. Die Berichterstattung über Studien führt aber nicht selten in die Irre. Und das aus einer Reihe von Gründen.
    1. Die Ergebnisse werden in extrem verkürzter Form und dadurch falsch dargestellt.
    2. Die Studien-Ergebnisse werden in einen nicht zu rechtfertigenden Zusammenhang gestellt. Verknüpft wurden Meldungen zu den Ergebnissen der schwedischen Studie zum Beispiel häufig mit dem Hinweis: Linalool ist ein Bestandteil fast aller ätherischen Öle. Das stimmt. Linalool ist in Lavendelöl enthalten, es steckt in Orangenextrakt und vielen anderen natürlichen Zutaten.
  • Die schwedische Studie hat sich aber weder mit Lavendelöl noch mit Pflanzenextrakten befasst. Sie hat sich nicht einmal mit Linalool befasst, sondern mit den Folgen der Reaktion von Linalool mit Sauerstoff. Warum Studienergebnisse durch eine verkürzte Präsentation falsch dargestellt werden, zeigt die schwedische Linalool-Studie der Universität Göteborg beispielhaft.

Warum es nicht gut ist, wenn es überall gut duftet

Über die Klimaanlage werden Duftstoffe in Kaufhäuser geleitet und sogar in Krankenzimmer. Die Industrie forciert den Absatz von Duftbäumchen für Autos, von Beduftungsprodukten fürs Badezimmer, fürs Wohnzimmer, für Textilien usw. Vor allem synthetische Duftstoffe sind allgegenwärtig. Diese allumfassende Beduftung hat Wissenschaftler auf den Plan gerufen.

  • Um beim Thema Duftstoffallergien zu einer objektiven Beurteilung zu gelangen, so der nachvollziehbare Standpunkt vieler Wissenschaftler, müssen auch Duftstoffe, die der Luft ausgesetzt sind, untersucht werden. Häufig sind es nämlich nicht die Duftstoffe selber, die eine Allergie auslösen, sondern die Oxidationsprodukte, die an der Luft entstehen.
  • Die Forscher der Universität Göteborg haben in Bezug auf Linalool untersucht, wie Menschen auf oxidiertes Linalool reagieren. Das Ergebnis: Vermutet wird, dass 2% der Schweden auf oxidiertes Linalool allergisch reagieren. Der Duftstoff Linalool wird in großem Stil eingesetzt. Vor allem in Spülmitteln und Reinigungsmitteln. Nach Angaben der Universität Göteborg ist Linalool in 60-80% der parfümierten Reinigungsartikel enthalten. Möglicherweise, so die Forscher, kann dieser massenhafte Einsatz ein Grund dafür sein, dass möglicherweise 2% der Schweden darauf reagieren.
  • Hersteller von Hygiene- und Kosmetikartikeln mischen zwar Substanzen in die Produkte, die den Oxidationsprozess empfindlicher Substanzen wie Linalool verhindern sollen. Bei der Lagerung können sich trotzdem allergene Abbauprodukte bilden. Verhindert werden kann die Bildung von oxidiertem Linalool dadurch, so der Rat der Göteborger Wissenschaftler, dass Flaschen und Tuben mit den Verschlüssen, mit denen sie versehen sind, verschlossen werden und nicht offen stehen bleiben.

Welche Schlüsse sind aus der schwedischen Linalool-Studie zu ziehen?

Die schwedische Studie bestätigt, dass Oxidationsprozesse, die bei einem Duftstoff an der Luft entstehen, allergisierend wirken können. Sie bestätigt auch die Bedenken gegenüber einer „Bombardierung“ des Menschen mit Duftstoffen. Sie ist ein weiterer Hinweis darauf, dass ein massenhafter Einsatz von Duftstoffen zu einer erhöhten Sensibilisierungsrate führen kann.

  • Über Linalool als Bestandteil von Naturstoffen wie Lavendelöl, Orangen- oder Myhrreextrakt und über den Einsatz solcher Naturstoffe in Cremes und anderen kosmetischen Produkten sagt die Studie gar nichts aus.
  • Dass oxidierte Duftstoffe ein Problem darstellen können, ist seit langem bekannt. Jeder kompetente Hersteller von Natur- und Bio-Kosmetik weiß zum Beispiel, dass ätherische Öle richtig gelagert werden müssen, um Oxidationsprozesse zu verhindern.
  • Der wichtigste Wegweiser für einen sicheren Einsatz von Duftstoffen ist die sogenannte Peroxidzahl. Sie muss niedrig sein. Und genau darauf wird bei einer verantwortungsvollen Herstellung von Natur- und Biokosmetik geachtet. Mit Rohstoffen richtig umzugehen gehört genauso zu den zentralen Aufgaben eines Herstellers von Natur- und Bio-Kosmetik wie die Qualitätskontrolle in Bezug auf mögliche Verunreinigungen von Rohstoffen.
  • Mögliche Verunreinigungen können viele Ursachen haben. Um möglichen Verunreinigungen auf die Spur zu kommen, haben seriöse Unternehmen spezielle Abteilungen, die sich genau damit beschäftigen. Sie stellen sicher, dass Rohstoffe, bevor sie zum Einsatz kommen, untersucht werden, um sicherzustellen, dass sie sauber sind.

Untersuchungen zeigen: ätherische Öle sind besser verträglich

LinaloolWarnungen vor Allergierisiken erwecken nicht selten einen falschen Eindruck. Es käme wohl niemand auf die Idee, keine Nüsse mehr zu essen, weil eine Nachbarin auf Nüsse allergisch reagiert.

  • Das heißt: Ob einer der obengenannten Stoffe vertragen wird oder nicht, hängt vom einzelnen Menschen ab. Wer keine Probleme mit Thymian, Rosmarin, Zimt oder Zitronenöl hat, wird durch den normalen Kontakt mit diesen Stoffen nicht zum Allergiker.
  • Dass bestimmte Stoffe als mehr oder weniger allergisierend eingestuft werden, ist eine Vorsichtsmaßnahme. Solche Einstufungen erfolgen zum Beispiel wenn auffällt, dass die Zahl der Menschen, die auf einen bestimmten Stoff reagiert, ansteigt. Zum Beispiel von 1% auf 2%, auf 4% oder einen sogar noch höheren Prozentsatz. Im Umkehrschluss heißt das aber immer noch: 98% oder 96% der Menschen haben keinerlei Probleme mit dieser Substanz.
    Hersteller von Kosmetik sollten solche Erkenntnisse zur Vorsicht mahnen und sie sollten dazu führen, bestimmte Substanzen gar nicht, kaum oder nur in sehr geringer Dosierung einsetzen.

Geraniol ist nicht gleich geraniol

Bei der Bewertung von Allergierisiken ist auch zu berücksichtigen, das ein und dieselbe INCI-Bezeichnung für völlig unterschiedliche Substanzen stehen kann.

  • Was ein Kosmetikhersteller eingesetzt hat – eine isolierte synthetische Substanz, ein natürliches ätherisches Öl oder eine daraus isolierte Einzelkomponente – ist anhand der INCI-Deklaration nicht zu erkennen. Synthetische Einzelsubstanzen haben die gleichen INCI-Bezeichnungen wie Substanzen, die Teil eines kompletten ätherischen Öls sind.
  • Bei vielen kosmetischen Produkten findet sich zum Beispiel die INCI-Bezeichnung Geraniol in der Liste der Inhaltsstoffe. Aber Geraniol ist nicht gleich Geraniol. Für Allergiker kann der Unterschied von großer Bedeutung sein, denn es gibt deutliche Hinweise darauf, dass natürliche ätherische Öle anders zu bewerten sind als synthetische Duftstoffe.
  • Der deutsche BDIH hat eine Untersuchung zu Geraniol in Auftrag gegeben. Bei 50 Menschen, die in einem Allergietest auf Geraniol sensibel regiert hatten, wurde überprüft, wie sie auf ätherische Öle mit Geraniol reagieren.
  • Auf den chemisch isolierten Duftstoff Geraniol reagierten 20%, also 10 der 50 Testpersonen.
  • Auf ätherische Öle mit Geraniol reagierte keine der 50 Testpersonen.
  • Da das Thema Duftstoff-Allergie in der anthroposophischen Medizin wie in der Naturkosmetik von zentraler Bedeutung ist, gab auch das Unternehmen Wala (Dr. Hauschka) bei einer Universitäts-Hautklinik eine Untersuchung zu natürlichen Duftstoffen in Auftrag.
    Für den Klinik-Test wurden 25 Probanden mit einer bestehenden Kontaktallergie gegen den üblichen Duftstoff-Mix untersucht. Nach der Versuchsanordnung hätten bei den insgesamt 500 Einzeltests mit Dr.-Hauschka-Ölen 500 Reaktionen auftreten können. Zumindest wäre eine hohe Zahl wahrscheinlich gewesen, schließlich waren alle Testpersonen nachweislich Duftstoff-Allergiker.
    Tatsächlich traten nur bei 17 der 500 Einzeltests Reaktionen auf.
  • Keine einzige Testperson reagierte bei der 0,5prozentigen Konzentration.
  • Die 17 kontaktallergischen Reaktionen traten ausschließlich in der extrem hohen 5-Prozent-Konzentration auf.
    Ätherische Öle werden in kosmetischen Produkten in der Regel in einer Größenordnung von 0,5% bis 1 % eingesetzt.
    Eine Dosierung in einer Größenordnung von 5% liegt weit außerhalb jeder Normalität.

 


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