Zertifizierte Natur- und Bio-Kosmetik mit mineralischen Lichtschutzfiltern ist die einzige konsequente Alternative zu Sonnenschutzprodukten mit synthetischen Lichtschutzfiltern. Ist der mineralische Lichtschutz, wie ihn Natur- und Bio-Kosmetik bietet, positiver zu bewerten als der Sonnenschutz mit synthetischen Lichtschutzfiltern – auch wenn Pigmente in Nano-Größe im Produkt enthalten sein könnten? Meine Antwor : Ja. Warum?
Bevor ich begründe, warum ich mineralischen Lichtschutz auch mit Partikeln in Nano-Größe für empfehlenswert halte, zunächst einmal ein Wort zu dem verwirrenden Angebot, vor dem der Verbraucher bei mineralischem Lichtschutz steht.
Mancher Hersteller von naturkosmetischem Sonnenschutz verweist darauf, dass er mineralischen Lichtschutz in Mikro-Größe einsetzt, andere erklären sich gar nicht und wieder andere bezeichnen ihre Produkte als « frei von Nanopartikeln ». Wann ist ein Produkt frei von Nanopartikeln?
Mineralischer Lichtschutz ohne Nano-Partikel : Was heißt das?
Die Rohstoffe für einen mineralischen Lichtschutz sind Tintandioxid und Zinkoxid. Anfangs wurden für Sonnenschutzprodukte Weißpigmente mit Korngrößen im Mikrometerbereich (1 Mikrometer = 1 Millionstel Meter) verwendet. Dadurch entsanden vergleichsweise dicke Pasten, die auf der Haut einen weißen Film hinterließen. Mit den immer kleiner werdenden Pigmenten wurden die Produkte geschmeidiger, die Weißfärbung der Haut konnte vermieden und die UV-Schutzwirkung verbessert werden. Solche Produkte – mit mineralischem Lichtschutz in Nano-Größe – sind bereits seit Jahren auf dem Markt.
Mit der Kosmetik-Verordnung 1223/2009 regelt die EU erstmals den Einsatz von Nanopartikeln. Diese Regelung bezieht sich nur auf eine bestimmte Gruppe Nanos: z. B. auf unlösliche Nanopartikel wie mineralische Lichtschutzpigmente.
Nach Definition der EU sind Nanos „ein unlösliches oder biologisch beständiges und absichtlich hergestelltes Material mit einer oder mehreren äußeren Abmessungen oder einer inneren Struktur in einer Größenordnung von 1 bis 100 Nanometern.“ Alles, was größer ist als 100 Nanometer, gilt nach der EU-Definition nicht als Nano.
Was größer ist als 100 Nanometer, ist „frei von Nanos“
Rohstoffe für einen mineralischen Lichtschutz gibt es in unterschiedlicher Form. Rohstoffe (Pigmente) in einer Größe von über 100 Nanometern fallen nicht unter die Nano-Definition der EU. Sonnenschutzprodukte mit Lichtschutz-Rohstoffen in einer Größe von über 100 Nanometern können als frei von Nanopartikeln bezeichnet werden.
4 x mehr gefährliche Substanzen bei synthetischem Lichtschutz
Ist mineralischer Lichtschutz, auch wenn er Nanopartikel enthält, einem Sonnenschutz mit synthetischen Lichschutzfiltern vorzuziehen? Meine Antwort ist ja. Und mit dieser Einschätzung stehe ich nicht allein.
Die amerikanische Environmental Working Group (EWG) gehört zu den bekanntesten Kritikern der Nanotechnologie. Beim Thema Sonnenschutz hat dieser amerikanische Umwelt- und Verbraucherschutzverband jedoch seine Haltung revidiert und empfiehlt nun auch Sonnencremes mit mineralischen Nanopartikeln. Der Grund für diesen Sinneswandel: Nach einer umfangreichen Auswertung von Studien stellte sich heraus, dass Verbraucher mit herkömmlichen Sonnenschutzmitteln vier Mal mehr gefährliche Substanzen aufnehmen als bei naturkosmetischen Sonnenschutzprodukten.
Von Europa bis Australien: Zahlreiche Studien zu Titandioxid und Zinkoxid
Viele Nanos sind noch gar untersucht. Zu mineralischen Lichtschutzpigmenten gibt es aber schon eine Vielzahl von Studien. Allen gemeinsam ist : keine besorgniserregenden Erkenntnisse.
Die Sicherheit von Titandioxid-Mikropigmenten als UV-Filter wurde bereits im Jahre 2000 in einer Stellungnahme des SCCNFP (Scientific Committee for Cosmetic Products and Non-Food Products Intended for Consumers) bestätigt (1). Die Studien zeigen, dass die Teilchen nicht in die Haut eindringen. Dies konnte für Titandioxid und Zinkoxid durch mehrere aktuelle Studien (2006 – 2009) nochmals untermauert werden (2).
Auch die Kosmetik-Kommission des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gab 2005 grünes Licht für den Einsatz der beiden UV-Filter-Pigmente in kosmetischen Sonnenschutzmitteln (3). In einem Expertengespräch des BfR zum Thema Nanotechnologie im März 2006 wurde die Unbedenklichkeit der mikrofeinen Filterpigmente hinsichtlich einer möglichen Aufnahme über die Haut bestätigt (4).
Auch die australische Gesundheitsbehörde TGA kam nach einer Bewertung der Datenlage – zuletzt im Jahre 2009 – zu der gleichen Schlussfolgerung (5).
Anwendung bei geschädigter Haut: Die Daten dazu werden derzeit vom SCCP bewertet
Das wissenschaftliche Beratergremium der Europäischen Kommission hält die Datenlage in einem Punkt noch für nicht ausreichend. Sie empfiehlt eine weiterführende Untersuchung, um auszuschließen, dass Nanopartikel bei erkrankter Haut (z. B. bei Psoriasis, Neurodermitis oder einem Sonnenbrand) über die Haut aufgenommen werden können. Bislang gibt es aus toxikologisch-dermatologischer Sicht keine Hinweise darauf, dass eindringende Partikel die Barrierefunktion der Haut überwinden können (6).
Erfahrungen aus der medizinischen Anwendung
Zink- und Titanverbindungen werden auch im medizinischen Bereich eingesetzt. Daten aus diesem Bereich zeigen zum Beispiel, dass herkömmliches Zinkoxid sogar die Wundheilung fördern kann. Titan bzw. Titandioxid sind seit langem auch als Implantatmaterial etabliert. Dabei werden geringe Mengen – bei Implantaten aus Titan durch den Abrieb auch als Nanopartikel – biologisch verfügbar. Bislang gibt es keine Berichte über gesundheitsschädliche Reaktionen.
Mineralischer Lichtschutz contra „chemischer Cocktail“
Sonnenschutzprodukte mit mineralischen Lichtschutzfiltern, die als Natur- und Bio-Kosmetik zertifiziert sind, unterscheiden sich von anderen Sonnenschutzprodukten nicht nur durch die Abwesenheit von synthetischen Lichtschutzfiltern. Sie sind zum Beispiel auch frei von bedenklichen Chemikalien wie Stoffen, die (gefährliche) Nitrosamine bilden können oder von bedenklichen synthetischen Konservierungsmitteln.
Jeder, der sich mit dem Thema mineralischer Lichtschutz & Nanopartikeln befasst, steht vor der schwierigen Aufgabe, Datenmaterial gegeneinander abzuwägen. Schwierig ist das nicht zuletzt deswegen, weil es kein Datenmaterial aus einem Guss gibt. Mit konkreten Produkten befassen sich Studien, auch wenn das häufig angenommen wird, gar nicht. Es gibt also keine Studien, die vergleichen: Wie wirken bestimmte Natur- und Bio-Produkte im Vergleich zu bestimmten konventionellen Sonnenschutzprodukten.
Abgewogen werden kann nur, wie es die amerikanische Environmental Working Group getan hat, auf der Basis unterschiedlichster Studien zum Problempotential bestimmter kosmetischer Rohstoffe. Wie es um die Gesamtkomposition zertifizierter und konventioneller Sonnenschutzprodukte bestellt ist, zeigt der bald folgende Produktvergleich.
In Kürze: Ein großer Produktvergleich Sonnenschutzmittel (Natur- und Bio-Kosmetik sowie Sonnenschutzprodukte mit synthetischem Lichtschutz).
Außerdem: Informationem zum Problempotential synthetischer Lichtschutzfilter.
2 A. O. Gamer, E. Leibold, B. v. Ravenzwaay, Toxicology in Vitro 20 (2006), 301–307; S. E. Cross, B. Innes, M. S. Roberts, T. Tsuzuki, T. A. Robertson, P. McCormick, Skin Pharmacology and Physiology 20 (2007), 148–154; P. Filipe, J. N. Silva, R. Silva, J. L. Cirne de Castro, M. Marques Gomes, L. C. Alves, R. Santus, T. Pinheiro, Skin Pharmacology and Physiology 22 (2009), 266–275.